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Viszerales Fett: eine wachsende Volkskrankheit

  • vor 3 Tagen
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Die Recherche zu diesem Blogartikel wurde von KI unterstützt. Alle Informationen und Links wurden jedoch persönlich geprüft.

Viszerales Fett im Bauchraum und Zusammenhang mit Fettleber
Quelle: Canva

Übergewicht, Adipositas und die Fettlebererkrankung MASLD gehören inzwischen zu den häufigsten chronischen Gesundheitsproblemen in Deutschland – und alle drei nehmen weiter zu. Nach der jüngsten Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) im Journal of Health Monitoring ist die Adipositas-Prävalenz bei Erwachsenen zwischen 2003 und 2023 von 12,2 % auf 19,7 % gestiegen – über alle Alters-, Geschlechts- und Bildungsgruppen hinweg. Besonders stark war der Anstieg bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren: Hier verdreifachte sich die Adipositas-Rate von 3,4 % auf 11,3 %. Nach der bevölkerungsweiten GEDA-Studie des RKI gelten aktuell 53,5 % der Erwachsenen in Deutschland als übergewichtig (Männer 60,5 %, Frauen 46,6 %), 19 bis rund 24 % als adipös. Auch laut Deutscher Leberstiftung sind mittlerweile rund zwei Drittel der Männer (67 %) und etwa die Hälfte der Frauen (53 %) übergewichtig, jeweils rund ein Viertel adipös – Tendenz mit dem Alter steigend. Bereits bei Kindern und Jugendlichen sind nach den KiGGS-Daten des RKI etwa 15 % übergewichtig und rund 6 % adipös.

Parallel dazu ist die MASLD (Metabolic dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease, früher NAFLD/nicht-alkoholische Fettleber) zur häufigsten chronischen Lebererkrankung in Deutschland geworden. Nach der S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und aktuellen internationalen Metaanalysen liegt die MASLD-Prävalenz bei Erwachsenen in Deutschland bei etwa 23 bis 25 % – das entspricht schätzungsweise 18 bis 20 Millionen Menschen. Die Dunkelziffer ist ganz sicher höher. Bei Übergewicht steigt der Anteil auf 50–60 % und jeder Fünfte gilt bereits als adipös. Die Deutsche Leberstiftung weist anlässlich des Welt-Adipositas-Tags ausdrücklich auf diese "stille" und meist unbemerkte Erkrankung hin, die in frühen Stadien kaum Symptome verursacht.


Inhalt


Viszerales Fett sieht man nicht.

Entgegen der Annahme, man sähe einer Person das viszerale Fett von außen an, kann man es eben nicht von außen sehen. Zwar ist Bauchumfang und Fettverteilung in der Körpermitte ein Hinweis, aber kein Nachweis für viszerales Fett. Äußerliches Fett am Bauch, auch subkutanes Fett genannt, bedeutet nicht automatisch viszerales Fett. Dieses befindet sich nämlich tief im Bauchraum um die Organe verteilt und kann auch bei sehr schlanken bis mageren Personen vorhanden und erhöht sein. Als kleine Daumenregel kann man sich merken: wenn man seine Fettröllchen in die Hand nehmen kann, dann ist dieses Fett kein viszerales Fett, auch wenn dies irrtümlicherweise im Internet oft so genannt wird. Dieses Fett ist einfach nur subkutanes Fett, das sich am Bauch eingelagert hat. Viszerales Fett hingegen wird erst sichtbar, wenn schon Organe von Fetteinlagerung betroffen sind. Wenn der Bauch groß und prall wirkt, seine Wölbung bereits am unteren Rippenrand beginnt und der Bauch fest ist, ohne dass man von viel Muskelmasse sprechen kann, dann ist die Wahrscheinlichkeit für viszerales Fett und Fetteinlagerungen in der Leber groß.


Warum die Zunahme so ausgeprägt ist

Die steigende Prävalenz von viszeralem Fett und MASLD lässt sich nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen, sondern ergibt sich aus dem Zusammenspiel mehrerer Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte. An erster Stelle steht eine strukturelle Veränderung von Ernährung und Bewegungsverhalten: Der Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel sowie zugesetzten Zuckers ist deutlich gestiegen – eine Analyse des Vereins Foodwatch, auf die die Deutsche Leberstiftung verweist, zeigt, dass in Deutschland täglich rund 26 Gramm Zucker allein über Getränke aufgenommen werden, mehr als in jedem anderen westeuropäischen Land. Gleichzeitig hat sich der Alltag durch zunehmend sitzende Tätigkeiten, Bildschirmzeit und geringere alltägliche Bewegung strukturell verändert – der Energieverbrauch sinkt, während das Nahrungsangebot ganzjährig verfügbar, energiedicht und kostengünstig ist (sogenannte "obesogene Umgebung").

Wir können davon ausgehen, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung sich zu wenig im Alltag bewegt. Die meisten Menschen sitzen pro Tag mehr als 5 Stunden und treibt zu Ausgleich nicht ausreichend genug Sport. Die Mindestempfehlungen der WHO von 150-300 min Ausdauertraining und 2-3x 30 min Krafttraining pro Woche erreichen die wenigsten. Herunterbrechen auf einen wöchentlichen Plan, erfordern diese Maßgaben ein tägliches Zeitinvest von mindestens 45 min. Etwas, wozu viele sich aus zeitlichen und körperlichen Gründen nicht in der Lage oder strukturell eingeschränkt fühlen. Die bevölkerungsweite Stressbelastung durch Lebensadministration und Arbeitszeit ist so hoch, dass sie mitunter keinen Raum für sportliche Freizeitaktivität lässt. Aber auch der Überkonsum der sozialen Medien soll hier nicht unerwähnt bleiben, vor allem bei jüngeren Menschen.

Hinzu kommt Schlafmangel, sowie das zunehmende Lebensalter der Bevölkerung, da die Fähigkeit zur sicheren subkutanen Fettspeicherung mit den Jahren nachlässt und sich Fett vermehrt viszeral ablagert. Auch ein ausgeprägter sozioökonomischer Gradient spielt eine Rolle: Laut RKI ist Adipositas in unteren Bildungsgruppen deutlich häufiger als in oberen, ein Muster, das sich bereits im Kindesalter zeigt. Nicht zuletzt tragen genetische und hormonelle Faktoren zur individuellen Veranlagung bei, wie viel Fett viszeral statt subkutan gespeichert wird.


Wer am häufigsten betroffen ist

Männer sind für eine viszerale (androide) Fettverteilung besonders anfällig, begünstigt durch Testosteron, während der Körper von Frauen vor den Wechseljahren durch Östrogen eher zur gynoiden, hüft- und oberschenkelbetonten Fettverteilung neigt. Mit der Menopause verändert sich dies: Der Rückgang des schützenden Östrogens führt dazu, dass sich bei Frauen nach den Wechseljahren zunehmend viszerales Fett anlagert und sich ihr Risiko dem der Männer annähert oder es teilweise sogar übersteigt. Auch das Lebensalter insgesamt ist ein bedeutsamer Faktor, ebenso wie eine genetische Prädisposition, die etwa bei südasiatischen Bevölkerungsgruppen zu vermehrter viszeraler Fettspeicherung bereits bei niedrigerem Körpergewicht führt. Menschen mit metabolischem Syndrom, Typ-2-Diabetes oder aus sozioökonomisch benachteiligten Gruppen tragen ebenfalls ein überdurchschnittliches Risiko.


Welche Erkrankungen daraus meist hervorgehen

Viszerales Fett wirkt als hormonell aktives Gewebe und ist über die direkte Anbindung an die Pfortader eng mit der Lebergesundheit verknüpft. Aus einer anhaltenden viszeralen Fettanreicherung entwickeln sich am häufigsten:

  • Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes: durch chronische, niedriggradige Entzündung und gestörte Insulinsignalwege.

  • MASLD und deren Fortschreiten zur MASH (Fettleberentzündung), Leberfibrose, Leberzirrhose und – in einem Teil der Fälle bereits vor Erreichen einer Zirrhose – zum hepatozellulären Karzinom (Leberkrebs).

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Atherosklerose, koronare Herzkrankheit und Schlaganfall. Bemerkenswert: Bei Menschen mit MASLD sind oft nicht Lebererkrankungen, sondern Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache.

  • Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämie) mit erhöhten Triglyzeriden und LDL-Cholesterin und dadurch erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall.

  • Ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebserkrankungen, unter anderem Darmkrebs – Studien zeigen eine Assoziation zwischen viszeralem Fettvolumen und dem Auftreten von Darmpolypen als Krebsvorstufe.

Diese Erkrankungen treten selten isoliert auf, sondern häufig gemeinsam im Rahmen des metabolischen Syndroms. Die gute Nachricht, die auch von der Deutschen Leberstiftung betont wird: MASLD und die mit viszeralem Fett verbundenen Stoffwechselrisiken sind in frühen Stadien grundsätzlich reversibel – bereits eine Gewichtsreduktion von 5 bis 10 % kann die Leberverfettung deutlich verringern.


Öffentliche Infoseiten zum Weiterlesen


Viszerales vs. subkutanes Fett: ein wichtiger Unterschied

Nicht alles Körperfett ist aus gesundheitlicher Sicht gleich zu bewerten. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Fettmasse ein Körper trägt, sondern vor allem, wo sie sich befindet. Medizinisch wird zwischen zwei Hauptformen unterschieden: subkutanem Fett (Unterhautfettgewebe) und viszeralem Fett (Baucheingeweidefett). Beide erfüllen physiologisch sinnvolle Aufgaben, unterscheiden sich jedoch grundlegend in Lage, Stoffwechselaktivität und gesundheitlicher Relevanz, insbesondere im Hinblick auf die Leber.


Subkutanes Fett

Subkutanes Fett liegt direkt unter der Haut und macht den überwiegenden Teil der Körperfettmasse aus. Es dient in erster Linie als Energiespeicher, Wärmeisolator und mechanischer Puffer für Gelenksbewegungen und Stürze. Im Vergleich zum viszeralen Fett ist es weniger stoffwechselaktiv und wird in der Forschung bis zu einem gewissen Grad teils sogar als protektiv diskutiert, da eine gute Fähigkeit zur subkutanen Fettspeicherung überschüssige Energie von stoffwechselaktiveren Kompartimenten wie Leber und viszeralem Fettgewebe fernhalten kann.


Viszerales Fett

Viszerales Fett lagert sich tief im Bauchraum um innere Organe wie Leber, Darm und Bauchspeicheldrüse ab. Es unterscheidet sich fundamental von subkutanem Fett: Es fungiert als hochaktives endokrines Organ, das freie Fettsäuren sowie eine Reihe entzündungsfördernder Botenstoffe (Adipokine) freisetzt, unter anderem Interleukin-6, TNF-α und Resistin, bei gleichzeitig verminderter Sekretion des schützenden Hormons Adiponektin. Physiologisch bedeutsam ist zudem die venöse Drainage über die Pfortader: Stoffwechselprodukte des viszeralen Fettgewebes gelangen dadurch direkt und in hoher Konzentration zur Leber, bevor sie den restlichen Körperkreislauf erreichen.


Die Verbindung zu MASLD

MASLD (Metabolic dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease, zu Deutsch: metabolisch dysfunktionsassoziierte steatotische Lebererkrankung) ist die seit 2023 international gültige, wertneutrale Bezeichnung für das frühere NAFLD (nicht-alkoholische Fettlebererkrankung). Die Umbenennung durch AASLD, EASL und weitere Fachgesellschaften sollte den Fokus stärker auf die zugrunde liegende metabolische Dysfunktion legen und stigmatisierende Begriffe wie “Fettleber” vermeiden. Diagnostisch erfordert MASLD eine nachgewiesene Lebersteatose plus mindestens einen kardiometabolischen Risikofaktor, etwa Übergewicht, Insulinresistenz, Hypertonie oder Dyslipidämie.

Viszerales Fett spielt in der Entstehung von MASLD eine Schlüsselrolle. Durch die direkte Drainage über die Pfortader gelangen freie Fettsäuren und proinflammatorische Botenstoffe aus dem viszeralen Fettgewebe in hoher Konzentration unmittelbar zur Leber. Dies fördert Lipidansammlung in Leberzellen, verstärkt die hepatische Insulinresistenz und unterhält eine chronische, niedriggradige Entzündung, die sowohl die Steatose als auch das Fortschreiten zu Fibrose begünstigen kann. Subkutanes Fett wirkt diesem Prozess tendenziell entgegen, solange es seine Speicherkapazität nicht überschreitet: Eine funktionierende subkutane Fettspeicherung reduziert die sogenannte Lipotoxizität, indem überschüssige Fettsäuren dort gebunden werden, statt sich in Leber und viszeralem Gewebe anzureichern.

Für die Praxis bedeutet dies: Der Taillenumfang und das Taille-Hüft-Verhältnis sind oft aussagekräftigere Risikoindikatoren für die Leber- und Stoffwechselgesundheit als der Körperfettanteil oder BMI allein. Zwei Personen mit identischem BMI können ein sehr unterschiedliches MASLD-Risiko haben, je nachdem, wie ihr Fett verteilt ist.


Illustration einer Fettleber
Illustration einer Fettleber (Quelle: Canva)

Warum trifft es die einen, dafür andere nicht?

In meine Coachings begegne ich immer wieder demselben Phänomen: Zwei Menschen mit identischem Körpergewicht und ähnlichem Bauchumfang und die eine Person entwickelt eine Fettleber und einen Typ-2-Diabetes, die andere bleibt stoffwechselgesund. Umgekehrt gibt es auch normalgewichtige Menschen, die an Typ-2-Diabetes erkranken, obwohl sie nach klassischen Kriterien gar nicht als übergewichtig gelten. Dieses Muster lässt sich nicht allein mit dem Körpergewicht oder dem Body-Mass-Index (BMI) erklären. Genau hier setzt die sogenannte Fat-Threshold-Hypothese an – zu Deutsch etwa "Fettschwellen-Hypothese" oder, in ihrer klinischen Ausprägung, "Personal Fat Threshold" (persönliche Fettschwelle).


Die Grundidee: ein individuelles Speicherlimit

Die Hypothese geht davon aus, dass jeder Mensch eine individuelle, genetisch und konstitutionell bestimmte Obergrenze dafür besitzt, wie viel Fett er sicher und stoffwechselneutral im Unterhautfettgewebe (subkutanes Fett) speichern kann. Diese Grenze wird als "persönliche Fettschwelle" bezeichnet. Solange die Fettmenge im Körper unterhalb dieser individuellen Schwelle bleibt, kann das Unterhautfettgewebe die Energie sicher aufnehmen. Wird die Schwelle jedoch überschritten, kann überschüssiges Fett nicht mehr sicher subkutan gespeichert werden und lagert sich stattdessen dort ab, wo es Schaden anrichtet: in der Leber, in der Bauchspeicheldrüse und im viszeralen Fettgewebe. Man spricht hier von "ektoper Fettspeicherung", also einer Fettablagerung an untypischer Stelle.

Entscheidend an dieser Hypothese ist, dass die Schwelle von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich hoch liegen kann. Manche Menschen können auch bei deutlichem Übergewicht noch stoffwechselgesund bleiben, weil ihre persönliche Schwelle hoch liegt. Andere überschreiten ihre Schwelle bereits bei einem BMI im Normalbereich. Damit erklärt die Hypothese auch das Phänomen, dass etwa 10–15 Prozent der Typ-2-Diabetes-Diagnosen normalgewichtige Menschen betreffen.


Wissenschaftlicher Ursprung: die Adipositas-Expandierbarkeits-Hypothese

Die theoretische Grundlage lieferte bereits in den 2000er-Jahren die sogenannte "Adipose Tissue Expandability Hypothesis" (Hypothese der begrenzten Fettgewebe-Ausdehnbarkeit), die maßgeblich von den Forschern Samuel Virtue und Antonio Vidal-Puig ausgearbeitet wurde. Ihr zentraler Gedanke: Nicht Übergewicht an sich ist das entscheidende gesundheitliche Problem, sondern die begrenzte Fähigkeit des Fettgewebes, weiter zu wachsen. Ist diese Kapazitätsgrenze erreicht, "läuft das Fettgewebe über": Freie Fettsäuren gelangen vermehrt in den Blutkreislauf und werden in Organen wie Leber, Muskulatur und Bauchspeicheldrüse eingelagert. Dort verursachen sie über einen als Lipotoxizität bezeichneten Mechanismus Zellschäden und Insulinresistenz.


Die klinische Zuspitzung: Roy Taylors Twin-Cycle-Hypothese

Der britische Diabetesforscher Roy Taylor (Newcastle University) übertrug dieses Konzept konkret auf die Entstehung des Typ-2-Diabetes und prägte den Begriff des "Personal Fat Threshold". In seiner sogenannten Twin-Cycle-Hypothese ("Zwei-Kreisläufe-Hypothese") beschreibt er zwei sich gegenseitig verstärkende Prozesse: Im ersten Kreislauf baut sich über Jahre Fett in der Leber auf. Wird ein individuelles Limit überschritten, gelangt überschüssiges Fett aus der Leber vermehrt in den Blutkreislauf und wird auch der Bauchspeicheldrüse zugeführt. Dort beginnt ein zweiter Kreislauf: Die Fettansammlung stört bei entsprechend veranlagten Personen zunehmend die Funktion der insulinproduzierenden Betazellen. In der Summe führt dies zu einer fortschreitenden Insulinresistenz der Leber und einem nachlassenden Insulinangebot aus der Bauchspeicheldrüse – die beiden Kernmerkmale des Typ-2-Diabetes.


Bedeutung für die Praxis

Die Fat-Threshold-Hypothese liefert eine plausible Erklärung dafür, warum Body-Mass-Index und Körpergewicht allein nur bedingt aussagekräftig für das individuelle Stoffwechselrisiko sind. Aussagekräftiger sind Marker, die indirekt auf eine ektope Fettspeicherung hindeuten, etwa der Taillenumfang, das Taille-Hüft-Verhältnis oder laborchemische Hinweise auf eine Fettleber. Für die Praxis bedeutet dies auch: Eine moderate Gewichtsreduktion – in den zitierten Studien im Schnitt bereits ab etwa 5–10 % des Ausgangsgewichts – kann ausreichen, um wieder unter die persönliche Fettschwelle zu gelangen und Stoffwechselparameter deutlich zu verbessern, unabhängig davon, ob am Ende ein "normales" Gewicht erreicht wird.


Einordnung und Grenzen

Wichtig für die wissenschaftliche Einordnung: Die individuelle Fettschwelle lässt sich derzeit nicht direkt messen, sondern nur indirekt über den klinischen Verlauf erschließen. Die Hypothese erklärt gut die Entstehung und Remission des Typ-2-Diabetes sowie der MASLD, sie ist jedoch kein vollständiges Modell für alle Stoffwechselerkrankungen und schließt weitere Faktoren wie Genetik, Bewegung, Muskelmasse, Darmmikrobiom oder chronischen Stress nicht aus. Die Forschung dazu, insbesondere zu den genetischen und molekularen Determinanten der individuellen Schwelle, ist nach wie vor aktiv im Gange.


Diagnostik und Therapie: Viszerales Fett und MASLD

Untersuchungen, Laborwerte und leitliniengerechte Medikamente 

Wie wird viszerales Fett diagnostisch erfasst?

Für die klinische Praxis reicht meist eine einfache anthropometrische Messung: Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis (Waist-to-Hip-Ratio, WHR) korrelieren ausreichend gut mit dem viszeralen Fettvolumen, um als Screening-Parameter zu dienen. Die Grenzwerte unterscheiden sich je nach verwendetem Referenzsystem: Nach der Definition der International Diabetes Federation (IDF) und WHO gilt ein Taillenumfang ab 94 cm bei Männern beziehungsweise ab 80 cm bei Frauen als Hinweis auf ein erhöhtes viszerales Fettvolumen; das amerikanische NCEP-ATP-III-Kriterium für abdominelle Adipositas setzt die Grenze höher, bei 102 cm (Männer) beziehungsweise 88 cm (Frauen). Für die Praxis empfiehlt es sich, konsequent ein Referenzsystem zu verwenden und dies auch zu dokumentieren.

Für eine präzisere, aber weiterhin praxistaugliche Schätzung eignet sich die bioelektrische Impedanzanalyse (BIA), die über Widerstandsmessungen indirekt auf viszerales Fett schließt – schnell und kostengünstig, allerdings geräteabhängig unterschiedlich genau und kein direkter Volumenwert. Die Dual-Energy-Röntgenabsorptiometrie (DXA) liefert eine gute Verlaufskontrolle der Rumpf- und Gesamtfettmasse bei geringer Strahlenbelastung, unterscheidet viszerales und subkutanes Fett jedoch weniger trennscharf als Schnittbildverfahren. In Deutschland sind jedoch DXA Scans zur Untersuchung der Körperzusammensetzung bisher nicht als Kassen- oder IgE-Leistung zugelassen, da es sich hier um eine strahlenschutzrelevante Untersuchung handelt. Der eigentliche Goldstandard sind MRT und CT: Beide erlauben eine exakte Volumetrie des viszeralen Fettgewebes, meist anhand einer Schicht auf Höhe der Lendenwirbelkörper L4/L5. Aufgrund von Kosten, Verfügbarkeit und – bei CT – Strahlenbelastung bleibt dies jedoch meist Studien, Spezialsprechstunden oder Situationen vorbehalten, in denen ohnehin eine Bildgebung indiziert ist.

Methode

Aussagekraft

Praxisrelevanz

Taillenumfang

Einfacher Surrogatparameter; korreliert mäßig gut mit viszeralem Fett

Screening-Standard; Grenzwerte je nach Referenzsystem: IDF/WHO ≥ 94 cm (M) / ≥ 80 cm (F); NCEP ATP III ≥ 102 cm (M) / ≥ 88 cm (F)

Taille-Hüft-Verhältnis (WHR)

Besserer Prädiktor als BMI, da Fettverteilung berücksichtigt

Einfach erhebbar; WHO-Grenzwert erhöhtes Risiko: > 0,90 (M) / > 0,85 (F)

Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA)

Schätzt viszerales Fett indirekt über Widerstandsmessung; geräteabhängig unterschiedlich präzise

Schnell, günstig, gut für Verlaufskontrollen; keine Bildgebung, daher nur Schätzwert

DXA (Dual-Energy-Röntgenabsorptiometrie)

Gute Verlaufskontrolle für Gesamt- und Rumpffettmasse; unterscheidet viszeral/subkutan weniger präzise als Schnittbildgebung

Geringe Strahlenbelastung, aber nicht leitliniengerecht, unterliegt Strahlenschutz und wird daher nicht flächendeckend zur Diagnostik eingesetzt oder als IgE-Leistung angeboten.

MRT

Goldstandard gemeinsam mit CT: präzise Volumetrie von viszeralem und subkutanem Fett

Strahlenfrei, sehr genau, aber teuer und nicht flächendeckend verfügbar – v. a. Forschung/Spezialdiagnostik

CT

Goldstandard, exakte Volumetrie (meist Schicht auf Höhe L4/L5)

Sehr präzise, aber Strahlenbelastung – daher meist nur bei ohnehin indizierter Bildgebung oder in Studien eingesetzt

Wie wird eine MASLD diagnostiziert?

Die MASLD-Diagnostik folgt seit den EASL-EASD-EASO-Leitlinien 2024 einem stufenweisen, nicht-invasiven Algorithmus, der primär auf Risikostratifizierung nach Fibrosegrad zielt – denn das Fibrosestadium, nicht der reine Fettgehalt der Leber, bestimmt maßgeblich die Prognose.


Basislabor und Risikoerfassung

Am Anfang steht die Erfassung kardiometabolischer Risikofaktoren (Übergewicht/Adipositas, Typ-2-Diabetes bzw. Prädiabetes, Hypertonie, Dyslipidämie) gemeinsam mit den Leberwerten ALT, AST und GGT sowie einem Differenzialblutbild (insbesondere Thrombozytenzahl als indirekter Fibrosemarker), Nüchternglukose beziehungsweise HbA1c und einem Lipidprofil (Triglyzeride, LDL/HDL-Cholesterin). Wichtig zu wissen: Normale Leberwerte schließen eine MASLD nicht aus, denn ein relevanter Anteil der Betroffenen hat trotz Steatose und teils sogar Fibrose unauffällige Transaminasen.


Nicht-invasive Scores

Aus Routineparametern lassen sich validierte Scores berechnen, die eine erste Risikoeinschätzung ohne zusätzliche Bildgebung erlauben:

Score

Berechnung / Zweck

Grenzwerte

FIB-4

Alter × AST / (Thrombozyten × √ALT); schätzt Wahrscheinlichkeit einer fortgeschrittenen Fibrose

< 1,3 (bzw. < 2,0 bei > 65 J.): niedriges Risiko; 1,3–2,67: intermediär; > 2,67: hohes Risiko → hepatologische Abklärung

NAFLD Fibrosis Score (NFS)

Alter, BMI, Blutzucker/Diabetes, Thrombozyten, Albumin, AST/ALT

< −1,455: niedriges Risiko; > 0,676: hohes Risiko für fortgeschrittene Fibrose

Fatty Liver Index (FLI)

Triglyzeride, BMI, GGT, Taillenumfang; screent auf Steatose

< 30: Steatose unwahrscheinlich; ≥ 60: Steatose wahrscheinlich (MASLD-Hinweis)

Hepatic Steatosis Index (HSI)

8 × (ALT/AST-Quotient) + BMI (+2 bei Frauen, +2 bei Diabetes)

< 30: MASLD unwahrscheinlich; ≥ 36: MASLD wahrscheinlich (geringere Trennschärfe als FLI)


Die EASL-2024-Leitlinie empfiehlt insbesondere bei Risikogruppen (Typ-2-Diabetes, Adipositas mit weiteren metabolischen Risikofaktoren) ein jährliches Screening mittels FIB-4. Bei einem FIB-4-Wert zwischen 1,3 und 2,67 (beziehungsweise unter 2,0 bei über 65-Jährigen) und einer nachfolgenden Lebersteifigkeitsmessung unter 8 kPa gilt das Risiko als niedrig. Liegt der FIB-4-Wert über 2,67 oder die Lebersteifigkeit bei 8 kPa oder darüber, wird ein intermediäres bis hohes Risiko angenommen und eine Überweisung in die Hepatologie empfohlen. Über den FIB-4 Rechner der deutschen Leberhilfe kann man selbst seinen Score berechen: https://www.leberhilfe.org/fib-4-rechner/ Auch den NAFLD Fibrosis score kann man selbständig berechnen: https://www.mdcalc.com/calc/3081/nafld-non-alcoholic-fatty-liver-disease-fibrosis-score 


Bildgebung und Elastografie

Die Abdomensonografie ist meist die erste bildgebende Untersuchung und kann eine Steatose ab einem Fettgehalt von etwa 20 % nachweisen, ist jedoch untersucherabhängig und bei leichter Steatose wenig sensitiv. Die Vibrationskontrollierte transiente Elastografie (VCTE, bekannt als FibroScan) misst nicht-invasiv die Lebersteifigkeit als Fibrose-Surrogat und liefert über den Controlled Attenuation Parameter (CAP) zugleich eine Steatose-Einschätzung; sie hat sich als Standardverfahren im sequenziellen Diagnostikalgorithmus etabliert. MRT-basierte Verfahren wie die Protonendichte-Fettfraktion (MRT-PDFF) und die MR-Elastografie gelten als die genauesten nicht-invasiven Methoden zur Quantifizierung von Leberfett beziehungsweise -fibrose, sind aber kostenintensiv und daher meist Studien oder unklaren Fällen vorbehalten. Der Enhanced-Liver-Fibrosis-Test (ELF-Test, ein laborbasierter Biomarker-Score aus Hyaluronsäure, PIIINP und TIMP-1) wird ergänzend oder sequenziell nach FIB-4 zur weiteren Risikostratifizierung eingesetzt.


Leberbiopsie

Die Leberbiopsie mit histologischer Beurteilung bleibt der diagnostische Goldstandard, insbesondere zur sicheren Unterscheidung zwischen einfacher Steatose (MASL) und der entzündlichen Verlaufsform MASH sowie zur exakten Fibrosestadierung. Aufgrund ihrer Invasivität, möglicher Komplikationen und Stichprobenfehler wird sie in der Praxis jedoch zurückhaltend eingesetzt, meist erst dann, wenn nicht-invasive Verfahren kein eindeutiges Ergebnis liefern, eine Studienteilnahme ansteht oder vor Einleitung einer zugelassenen MASH-spezifischen Pharmakotherapie eine gesicherte Diagnose erforderlich ist.


Welche medikamentösen Interventionen sind leitliniengerecht?

Medikamentöse Therapie ist gemäß EASL-EASD-EASO-Leitlinie 2024 kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zur Basistherapie aus Ernährungs- und Bewegungsintervention, und sie ist im Kern reserviert für Personen mit gesicherter (meist histologisch bestätigter) MASH, insbesondere ab einer signifikanten Fibrose (Stadium F2 oder höher).

Resmetirom (Rezdiffra®)

Ein selektiver Agonist des Schilddrüsenhormonrezeptors Beta (THR-β), der im März 2024 von der US-amerikanischen FDA im beschleunigten Verfahren zugelassen wurde – das weltweit erste zugelassene MASH-Medikament. Zulassung für nicht-zirrhotische MASH mit moderater bis fortgeschrittener Fibrose (Stadium F2–F3), in Kombination mit Ernährungs- und Bewegungstherapie. Eine europäische Zulassung war zum Zeitpunkt der Recherche in Prüfung.

Der GLP-1-Rezeptoragonist erhielt im August 2025 als zweites Medikament die FDA-Zulassung für MASH mit moderater bis fortgeschrittener Fibrose, gestützt auf die Phase-3-ESSENCE-Studie (rund 1.200 Teilnehmende), in der Semaglutide 2,4 mg sowohl die Fibrose verbesserte als auch die MASH signifikant häufiger zurückbildete als Placebo. Da Semaglutide zugleich Gewicht und viszerales Fett reduziert, adressiert es MASLD/MASH und die zugrunde liegende Adipositas gleichzeitig.

Beide waren in älteren US-Leitlinien (AASLD) als Optionen bei biopsiegesicherter MASH gelistet (Pioglitazon v. a. bei begleitendem Typ-2-Diabetes, Vitamin E bei nicht-diabetischen Patient:innen). Die aktuelle EASL-EASD-EASO-Leitlinie 2024 bewertet die Evidenz strenger: Mangels robuster Wirksamkeit auf Steatohepatitis und Fibrose in großen Phase-3-Studien sowie wegen möglicher Langzeitrisiken werden beide Substanzen nicht als MASH-gerichtete Therapie empfohlen. Diese transatlantische Diskrepanz zwischen europäischer und US-amerikanischer Leitlinie ist für die Praxis relevant und sollte bei Empfehlungen berücksichtigt werden.

Bei Adipositas (meist ab BMI > 32,5–35 kg/m², insbesondere mit begleitendem Typ-2-Diabetes) und nicht-zirrhotischer MASLD/MASH eine leitliniengerechte Therapieoption mit guter Evidenz für Besserung von Steatose, Entzündung und Fibrose. Bei kompensierter Zirrhose ist der Nutzen weniger klar belegt und erfordert eine interdisziplinäre Abwägung. Bei dekompensierter Zirrhose wird von bariatrischer Chirurgie abgeraten.

Für dieses Stadium ist aktuell keine MASH-gerichtete Pharmakotherapie zugelassen. Die Behandlung umfasst Anpassung der metabolischen Begleitmedikation, Ernährungsberatung, Überwachung auf portale Hypertension und hepatozelluläres Karzinom sowie bei Dekompensation die Lebertransplantation.


Wichtig für die Einordnung: Sowohl Resmetirom als auch Semaglutide wurden im beschleunigten Zulassungsverfahren („accelerated approval“) zugelassen; bestätigende Phase-3/4-Studien zum langfristigen klinischen Nutzen laufen noch. Die leitliniengerechte Verordnung setzt in der Regel eine gesicherte Diagnose (meist Biopsie oder eindeutige nicht-invasive Risikokonstellation) sowie eine Betreuung durch in der Hepatologie erfahrene Ärzt:innen voraus.


Wird es künftig Medikamente speziell gegen viszerales Fett und MASLD geben?

Die Entwicklungspipeline ist so aktiv wie nie: Laut einer Auswertung von ClinicalTrials.gov-Daten befanden sich Anfang 2026 rund 267 MASH-Studien in aktiver Rekrutierung, davon 16 in Phase III. Nach den ersten beiden Zulassungen (Resmetirom 2024, Semaglutide 2025) konzentriert sich die Forschung im Wesentlichen auf zwei weitere Wirkstoffklassen:

  • FGF21-Analoga (körpereigenes Leberhormon, das den Fettstoffwechsel reguliert): Efruxifermin (nach Übernahme von Akero durch Novo Nordisk, Programm SYNCHRONY), Pegozafermin (nach Übernahme von 89bio durch Roche, Programm ENLIGHTEN) und Efimosfermin alfa (GSK, Programme ZENITH-1/2). In Phase-2b-Studien zeigten diese Substanzen signifikante Reduktionen von Leberfett, Fibrosemarkern und Leberenzymen.

  • GLP-1-basierte Kombinationswirkstoffe: Survodutide (GLP-1/Glukagon-dualer Agonist, Boehringer Ingelheim, Programm LIVERAGE inkl. Zirrhose-Kohorte) zeigte in Phase-2-Daten MASH-Verbesserungen bei 43–62 % der Behandelten gegenüber 14 % unter Placebo. Retatrutide (GLP-1/GIP/Glukagon-Triple-Agonist) und Tirzepatide (GLP-1/GIP) werden von Eli Lilly im Rahmen des SYNERGY-Outcomes-Programms bei Hochrisiko-MASLD geprüft; das chinesische Unternehmen Innovent testet mit Mazdutide (GLP-1/GIP) im direkten Vergleich zu Semaglutide.

  • Speziell auf viszerales Fett bei erhaltener Muskelmasse zielt die Kombination aus Bimagrumab (ein Antikörper gegen Activin-Typ-II-Rezeptoren, der Myostatin/Activin-Signalwege hemmt und muskelaufbauend wirkt) mit Semaglutide: In der randomisierten Phase-2-BELIEVE-Studie (507 Teilnehmende) führte die Kombination nach 48–72 Wochen zu ausgeprägter Reduktion von Gesamt- und viszeralem Fett bei weitgehendem Erhalt der Magermasse – ein Ansatz, der die verbreitete Muskelmasseabnahme unter alleiniger GLP-1-Therapie adressieren soll.


Ein bislang unbesetztes Feld ist die zirrhotische MASH (Stadium F4): Beide bisher zugelassenen Medikamente sind nur für nicht-zirrhotische Stadien zugelassen; mehrere Phase-3-Programme (u. a. Boehringers LIVERAGE-Cirrhosis) zielen gezielt auf diese Lücke. Analyst:innen schätzen den globalen MASH-Medikamentenmarkt bis 2030 auf 24 bis 34 Milliarden US-Dollar – ein Hinweis auf die erwartete klinische und kommerzielle Bedeutung dieses Feldes. Gleichzeitig ist zu betonen, dass es sich bei den meisten dieser Wirkstoffe noch um vorläufige, im beschleunigten Verfahren zugelassene oder in klinischer Prüfung befindliche Optionen handelt: Bestätigende Langzeitstudien stehen noch aus, und keine der Substanzen ersetzt die nach wie vor als Basistherapie geltende Lebensstiländerung.


EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines on the management of metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD). Journal of Hepatology, 2024.

EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines on MASLD: Executive Summary. Diabetologia, 2024.

Effectiveness of Six International Guidelines Using Fibrosis-4 and FibroScan for Risk Stratification of MASLD in Type 2 Diabetes. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2025.

Sequential Diagnostic Approach Using FIB-4 and ELF for Predicting Advanced Fibrosis in MASLD.

Lee JH et al. Hepatic steatosis index: a simple screening tool reflecting nonalcoholic fatty liver disease. Digestive and Liver Disease, 2010.

Bedogni G et al. The Fatty Liver Index: a simple and accurate predictor of hepatic steatosis in the general population. BMC Gastroenterology, 2006.

FDA. FDA Approves First Treatment for Patients with Liver Scarring Due to Fatty Liver Disease (Resmetirom), März 2024.

Harrison SA et al. Resmetirom, the First Drug Approved by the U.S. FDA for the Treatment of MASH. NEJM Journal Watch / PubMed, 2024.

FDA. FDA Approves Treatment for Serious Liver Disease Known as MASH (Semaglutide), August 2025.

Phase 3 ESSENCE Trial: Semaglutide in Metabolic Dysfunction-Associated Steatohepatitis. 2024/2025.

Should the new EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines on MASLD recommend pioglitazone as a MASH-targeted pharmacotherapy? Journal of Hepatology, 2024.

Vitamin E and Pioglitazone: A Comprehensive Systematic Review of Their Efficacy in Non-alcoholic Fatty Liver Disease, 2023.

DataLookout. The MASH Pipeline in 2026: Two Approvals, 8 Billion USD in M&A, 16 Phase 3 Trials. Mai 2026 (Datenquelle: ClinicalTrials.gov).

Blüher M et al. (BELIEVE-Studie). Bimagrumab plus semaglutide alone or in combination for the treatment of obesity: a randomized phase 2 trial. Nature Medicine, 2026.

Antibody blockade of activin type II receptors preserves skeletal muscle mass and enhances fat loss during GLP-1 receptor agonism. 2024.



Viszerales Fett und MASLD reduzieren

Was Ernährungs- und Trainingsstudien tatsächlich zeigen

Der gemeinsame Nenner: Lebensstilintervention

Sowohl internationale Leitlinien (EASL 2024, AASLD) als auch die aktuelle Studienlage sind sich einig: Die Basistherapie von MASLD und erhöhtem viszeralem Fett ist die Veränderung des Lebensstils – Ernährung und körperliche Aktivität. Medikamentöse Optionen wie GLP-1-Agonisten oder Resmetirom gewinnen an Bedeutung, ersetzen die Basistherapie aber nicht. Im Folgenden wird die aktuelle Evidenz aus randomisiert-kontrollierten Studien (RCTs) und Metaanalysen zu Ernährungs- und Trainingsinterventionen zusammengefasst und verglichen.


Ernährung: Welche Diätform ist am günstigsten?

Der entscheidende Treiber für die Reduktion von Leberfett und viszeralem Fett ist zunächst unabhängig von der genauen Diätform: das Kaloriendefizit. Eine systematische Übersichtsarbeit und Netzwerk-Metaanalyse zu intermittierendem Fasten bei MASLD (2025/2026, neun RCTs, 894 Teilnehmende) zeigte, dass zeitlich begrenztes Essen (Time-Restricted Eating), 5:2-Fasten und alternierendes Fasten bei gleicher Kalorienbilanz ähnliche Effekte auf Leberfett und Stoffwechselparameter erzielen wie eine kontinuierliche Kalorienrestriktion. Die Form des Kaloriendefizits – klassisch oder intervallartig – ist damit für viele Menschen eher eine Frage der individuellen Umsetzbarkeit als der biologischen Wirksamkeit.

Innerhalb der untersuchten Ernährungsmuster ist die mediterrane Ernährung diejenige mit der bislang umfangreichsten und konsistentesten Evidenz bei MASLD. Eine aktuelle Metaanalyse in BMC Medicine (2025, 37 RCTs) zeigte für die mediterrane Diät im Vergleich zu Kontrollgruppen signifikante Reduktionen von Körpergewicht (−2,4 kg), BMI (−0,70 kg/m²), Taillenumfang (−1,6 cm) und dem Leberenzym ALT (−3,96 IU/l). Im direkten Vergleich mit einer klassischen fettreduzierten Diät (Low-Fat) zeigen kurzfristige RCTs (12 Wochen, u. a. die MEDINA-Studie und eine aktuelle Studie in Hepatology Communications 2025 mit 250 bzw. 259 Teilnehmenden) meist vergleichbare Effekte auf Leberverfettung und viszerales Fett – entscheidend ist auch hier in erster Linie der erreichte Gewichtsverlust.

Über einen längeren Zeitraum zeigt sich jedoch ein Vorteil für eine kohlenhydratreduzierte, mediterran ausgerichtete Ernährungsform: Die CENTRAL-Studie (18 Monate, randomisiert-kontrolliert) verglich eine mediterrane/kohlenhydratreduzierte Diät (anfänglich < 40 g Kohlenhydrate/Tag, später bis 70 g/Tag, dafür mehr Eiweiß und ungesättigte Fette) mit einer klassischen fettreduzierten Diät. Die mediterran-kohlenhydratreduzierte Variante führte zu einer stärkeren Reduktion des Leberfettgehalts – über den reinen Effekt des Gewichtsverlusts hinaus. Auch die NutriAct-Studie (12 Monate) bestätigte, dass eine höhere Zufuhr an Protein und ungesättigten Fettsäuren bei gleichzeitig reduzierten Kohlenhydraten das Leberfett unabhängig vom Gewichtsverlust günstig beeinflusst.

Zusammengefasst lässt sich die aktuell günstigste Ernährungsform wie folgt beschreiben: eine mediterrane, moderat kohlenhydratreduzierte Ernährung mit einem Kaloriendefizit, reich an Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Fisch und ungesättigten Fetten (v. a. Olivenöl), mit erhöhter Proteinzufuhr und reduziertem Anteil an Zucker, Fruktose und stark verarbeiteten Lebensmitteln. Für kürzere Zeiträume (bis ca. 12 Wochen) ist der Unterschied zu anderen kalorienreduzierten Diätformen gering; über längere Zeiträume (ab etwa 6 Monaten) zeigt dieses Muster die konsistentesten zusätzlichen Vorteile für die Leber.


Bewegung: Ausdauer, Kraft oder beides?

Die bislang umfassendste Untersuchung zu Trainingsformen und viszeralem Fett ist eine Netzwerk-Metaanalyse von Chen et al. (Obesity Reviews, 2024), die 84 RCTs mit 4.836 Teilnehmenden auswertete. Alle untersuchten Trainingsformen – Ausdauertraining mindestens moderater Intensität, Krafttraining, die Kombination aus beidem sowie hochintensives Intervalltraining (HIIT) – reduzierten viszerales Fett wirksam. Nach der SUCRA-Rangreihung (Wahrscheinlichkeit, die wirksamste Methode zu sein) schnitten intensives Ausdauertraining und HIIT am besten ab. Auffällig war zudem ein Geschlechtsunterschied: Krafttraining allein verbesserte viszerales Fett zuverlässig bei Männern und bei Personen mit einem Körperfettanteil unter 40 %, zeigte jedoch bei Frauen und bei Personen mit höherem Körperfettanteil keinen signifikanten Effekt.

Ein differenzierteres Bild zeichnet eine frühere, ebenfalls vielzitierte Netzwerk-Metaanalyse von Chang, Yang und Shun (International Journal of Obesity, 2021; PMID 33558643), die 34 Studien mit 1.969 Teilnehmenden auswertete, von denen 32 Studien (n = 1.905) in die Metaanalyse eingingen. Hier zeigten sich signifikante Reduktionen des viszeralen Fetts nur für hochintensives Intervalltraining und für Ausdauertraining mindestens moderater Intensität. Krafttraining allein, die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining sowie Sprint-Intervalltraining zeigten in dieser Analyse dagegen keinen statistisch signifikanten Effekt auf viszerales Fett. Auch ein wöchentlicher Trainingsumfang von mehr als 150 Minuten brachte gegenüber weniger als 150 Minuten keinen zusätzlichen Nutzen; eine Metaregression ergab, dass weder eine längere Programmdauer noch ein größerer Trainingsumfang die Wirkung auf viszerales Fett signifikant verstärkten. Als wirksame Dosis identifizierten die Autoren ein Training von dreimal wöchentlich über 12 bis 16 Wochen, mit Einheiten von 30 bis 60 Minuten für Ausdauertraining beziehungsweise unter 30 Minuten bis 60 Minuten für HIIT.

Die beiden Netzwerk-Metaanalysen kommen damit zu leicht unterschiedlichen Schlussfolgerungen bezüglich Krafttraining und Kombinationstraining. Ein plausibler Grund ist die deutlich breitere Datenbasis der neueren Arbeit von Chen et al. (84 versus 34 RCTs), in die zahlreiche erst nach 2020 publizierte Studien zu Kraft- und Kombinationstraining eingeflossen sind. Über beide Arbeiten hinweg konsistent belegt ist der Nutzen von Ausdauertraining moderater bis hoher Intensität sowie von HIIT zur Reduktion von viszeralem Fett. Der zusätzliche Effekt von Krafttraining und Kombinationstraining auf viszerales Fett ist dagegen weniger einheitlich abgesichert als oft dargestellt und sollte nicht unkritisch als gleichwertig zu Ausdauertraining kommuniziert werden.Krafttraining stellt trotzdem aus vielen Gründen eine sinnvolle Ergänzung dar und sollte auch hier Anwendung finden.

Für den direkten Vergleich von HIIT und klassischem moderatem Ausdauertraining (Moderate-Intensity Continuous Training, MICT) zeigt eine Metaanalyse im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2022) nahezu identische Effekte auf das Leberfett . Auch eine aktuelle RCT bei MASLD-Patient:innen bestätigt: Für die Leberverfettung ist die Teilnahme an regelmäßigem Ausdauertraining wichtiger als dessen Intensität – HIIT bietet dabei vor allem einen Zeitvorteil und zusätzliche Verbesserungen der Herz-Kreislauf-Fitness.

Speziell für MASLD wurde die Wirkung von Krafttraining kürzlich in einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Chen et al. (Frontiers in Physiology, 2025/2026; PMID 42098808) untersucht – mit einem vorsichtigeren Ergebnis, als frühere Zusammenfassungen nahelegen. Von 11 eingeschlossenen RCTs mit 395 Teilnehmenden zeigte sich für das Leberenzym ALT eine gepoolte Veränderung von −4,44 IU/l (95 %-Konfidenzintervall −8,91 bis 0,04) – die Signifikanzschwelle wurde damit knapp verfehlt (p = 0,05). Für AST fand sich kein Unterschied. Von acht bildgebenden Studien (überwiegend MRT/MR-Spektroskopie) berichteten sieben eine Reduktion des Leberfettgehalts, allerdings bei uneinheitlicher Studienqualität: Eine der eingeschlossenen RCTs fand unter klassischem, progressivem Krafttraining bei übergewichtigen/adipösen Personen keine relevante Reduktion des Leberfetts. Eine ältere, häufig zitierte RCT (Hallsworth et al., Gut, 2011) zeigte dagegen, dass Krafttraining das Leberfett unabhängig vom Gewichtsverlust senken kann. Die Autor:innen der aktuellen Übersichtsarbeit ordnen Krafttraining daher als vielversprechende, aber noch nicht abschließend belegte Option ein – insbesondere für Menschen, die kein Ausdauertraining durchführen können oder wollen. Präzise Angaben zu optimaler Technik, Frequenz oder Trainingszyklen fehlen bislang; als Mindestprotokoll wird ein Ganzkörpertraining mit 8–10 Übungen bei 60–80 % des Einwiederholungsmaximums (1 RM), mindestens dreimal wöchentlich über mindestens 12 Wochen beschrieben.

Die Studienlage zur Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining ist somit gemischter, als in der Praxis oft dargestellt. Mehrere randomisierte Studien sowie die breitere, neuere Netzwerk-Metaanalyse (Chen et al., 2024) beschreiben eine Kombination beider Trainingsformen als besonders wirksam – vor allem bei Personen mit hohem Ausgangs-Körperfettanteil, also gerade in der Gruppe, in der Krafttraining allein am wenigsten wirksam ist. Die ältere, enger gefasste Metaanalyse (Chang et al., 2021) fand für kombiniertes Training dagegen keinen signifikanten Effekt auf viszerales Fett. Übereinstimmend gut belegt ist der Nutzen von Ausdauertraining moderater bis hoher Intensität beziehungsweise HIIT als wirksamster Einzelbaustein zur Reduktion von viszeralem Fett. Krafttraining leistet einen eigenständigen, ergänzenden Beitrag – klar nachgewiesen für Muskelmasse, Kraft und allgemeine Stoffwechselgesundheit, mit vorsichtigerer, aber wachsender Evidenz auch für Leberfett und -enzyme.


Das am besten belegte Trainingsprotokoll

Auf Basis der aktuellen Dosis-Wirkungs-Studien lässt sich folgende evidenzbasierte Kombination als derzeit sinnvollstes Vorgehen zusammenfassen – mit dem Hinweis, dass der Zusatznutzen von Krafttraining für viszerales Fett spezifisch weniger einheitlich belegt ist als der von Ausdauertraining:

  • Ausdauertraining als Kernbaustein: mindestens 150 Minuten pro Woche bei moderater bis hoher Intensität, verteilt auf 3–5 Einheiten à 30–60 Minuten (Chang et al., 2021: wirksame Dosis 3×/Woche über 12–16 Wochen). HIIT-Einheiten von unter 30 bis 60 Minuten sind als zeiteffiziente, gleichwertige Alternative belegt. Eine weitere Dosis-Wirkungs-Metaanalyse zeigt zudem eine nahezu lineare Abnahme von viszeralem und subkutanem Fett mit steigender wöchentlicher Trainingsdauer bis etwa 300 Minuten.

  • Krafttraining als ergänzender Baustein: Ganzkörpertraining mit 8–10 Übungen für die großen Muskelgruppen, 60–80 % des Einwiederholungsmaximums (1RM = 1 repetition maximum), mindestens 3 Einheiten pro Woche. Klar belegt sind die Effekte auf Muskelmasse, Kraft und allgemeine Stoffwechselgesundheit; die Wirkung auf viszerales Fett speziell und auf Leberfett bei MASLD ist vielversprechend, aber noch nicht abschließend gesichert (ALT-Reduktion in der aktuellsten MASLD-Metaanalyse nur grenzwertig signifikant, p = 0,05).

  • Gesamtdauer: mindestens 12–16 Wochen, da sich Effekte auf viszerales Fett und Leberfett erst über diesen Zeitraum zuverlässig einstellen.

  • Kombination mit Ernährung: Die größten Effekte auf Gewicht, viszerales Fett und Leberfett zeigen sich, wenn Training mit einer moderaten Kalorienrestriktion kombiniert wird – die Kombination reduzierte in Metaanalysen das Körpergewicht um zusätzlich rund 2,9 kg gegenüber Training allein und wirkte sich konsistenter auf Leberfett, viszerales, intramuskuläres und weitere ektope Fettdepots aus als Diät allein. Individuelle Dosis-Wirk-Verhältnisse können eintreten und müssen während der Intervention ermittelt werden.


Bemerkenswert ist dabei ein Punkt, der in der Praxis oft unterschätzt wird: Bewegung wirkt auf Leberfett und Insulinsensitivität teilweise unabhängig vom Gewichtsverlust. Wer trainiert, aber wenig oder kein Gewicht verliert, kann dennoch eine relevante Verbesserung von Leberfett und Stoffwechselparametern erzielen – ein Effekt, der bei reiner Diätintervention ohne Bewegung in dieser Form nicht auftritt.


body & balance community

Im Fettleber-Präventionsprogramm in der Body & Balance Membership wurde basierend auf diesem wissenschaflichen Unterbau das Programm Liver Lover entwickelt. Neben regelmäßigen Trainings und Empfehlungen für Ausdauertraining, wurden hier von unseren Fachfrauen Nauka Trantow und Tina Hildebrandt einfache, leitliniengemäße Ernährungsempfehlungen integriert.




Wirksamkeitsvergleich im Überblick

Kriterium

Ernährungsintervention

Bewegungsintervention

Effekt auf Körpergewicht

Groß, meist stärkster Einzelfaktor (z. B. −2,4 bis −2,6 kg vs. Kontrolle)

Moderat (z. B. Ausdauer −1,6 kg, kombiniert −1,9 kg vs. Kontrolle)

Effekt auf Leberfett/MASLD

Deutlich, v. a. bei Gewichtsverlust; mediterrane/kohlenhydratreduzierte Muster am besten belegt

Nachweisbar unabhängig vom Gewichtsverlust – eigenständiger Effekt auf Leberfett und Insulinsensitivität

Effekt auf viszerales Fett

Signifikant, aber variabel je nach Kaloriendefizit

Für Ausdauertraining/HIIT über mehrere Metaanalysen konsistent signifikant; für Krafttraining und Kombinationstraining uneinheitliche Evidenz (in neueren Daten positiv, in älteren nicht signifikant)

Notwendige Bedingung

Kaloriendefizit – Makronährstoffverteilung sekundär

Regelmäßigkeit (≥ 3×/Woche) über mind. 12–16 Wochen, mindestens 150 min Ausdauertraining

Alleiniger Effekt ausreichend?

Reduziert Gewicht, aber kaum viszerales/Leberfett ohne Bewegung

Verbessert Leberfett/Stoffwechsel auch ohne Gewichtsverlust, aber schwächer als in Kombination mit Diät

Kombination mit der jeweils anderen Maßnahme

Diät + Sport > Diät allein (zusätzliche Reduktion von Leber-, viszeralem, intramuskulärem Fett)

Sport + Diät > Sport allein (deutlich größerer Gewichtsverlust, ca. −2,9 kg zusätzlich)


Fazit

Weder Ernährung noch Bewegung allein bilden die optimale Strategie. Ernährung – speziell eine mediterrane, moderat kohlenhydratreduzierte, kalorienreduzierte Kost – liefert den größten Hebel für Gewichtsverlust und wirkt sich darüber deutlich auf Leberfett und viszerales Fett aus. Bewegung liefert zusätzliche, teils vom Gewichtsverlust unabhängige Effekte auf Leberfett, Insulinsensitivität und viszerales Fett – wirkt jedoch am stärksten in Kombination mit einem Kaloriendefizit. Innerhalb der Bewegungsinterventionen ist Ausdauertraining moderater bis hoher Intensität beziehungsweise HIIT über mehrere unabhängige Metaanalysen hinweg am konsistentesten als wirksam für die Reduktion von viszeralem Fett belegt. Krafttraining ergänzt dies sinnvoll – unbestritten für Muskelmasse, Kraft und metabolische Gesundheit insgesamt, mit vielversprechender, aber noch nicht einheitlich gesicherter Evidenz speziell für viszerales und Leberfett. Die aktuell am besten belegte Strategie zur Reduktion von viszeralem Fett und MASLD ist damit die Kombination aus moderat kohlenhydratreduzierter mediterraner Ernährung mit Kaloriendefizit und einem strukturierten Training aus Ausdauereinheiten (≥ 150 min/Woche moderat-intensiv oder gleichwertiges HIIT) als Kernbaustein, ergänzt durch Krafttraining (≥ 3×/Woche, 8–10 Übungen, 60–80 % 1 RM), über mindestens 12–16 Wochen.


Beigrezaei S et al. Effects of Mediterranean diet, exercise, and their combination on body composition and liver outcomes in MASLD: a systematic review and meta-analysis of RCTs. BMC Medicine, 2025;23:502.

Mediterranean and low-fat diets are equally effective in MASLD resolution at 12 weeks regardless of PNPLA3 genotype: a randomized controlled trial. Hepatology Communications, 2025.

MEDINA-Studie: Impact of a Mediterranean diet on hepatic and metabolic outcomes in NAFLD – randomised controlled trial.

Shai I et al. (CENTRAL-Studie); Mediterranean/low-carbohydrate diet vs. low-fat diet: greater decrease in hepatic fat content. 18-Monats-RCT.

NutriAct-Studie: Increase in PUFA and protein, decrease in carbohydrate intake improves liver fat over 12 months – RCT.

Intermittent fasting versus continuous energy restriction in MASLD: a systematic review and meta-analysis. 2025/2026.

Chen X, He H, Xie K, Zhang L, Cao C. Effects of various exercise types on visceral adipose tissue in individuals with overweight and obesity: systematic review and network meta-analysis of 84 RCTs. Obesity Reviews, 2024;25(3):e13666.

Chang YH, Yang HY, Shun SC. Effect of exercise intervention dosage on reducing visceral adipose tissue: a systematic review and network meta-analysis of randomized controlled trials. International Journal of Obesity, 2021;45(5):982–997. PMID: 33558643.

Effect of High-intensity Interval Training vs Moderate-intensity Continuous Training on Liver Fat: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2022.

Chen Y et al. Resistance training for metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease: a systematic review and meta-analysis. Frontiers in Physiology, 2025/2026; DOI 10.3389/fphys.2025.1679094. PMID 42098808 (Zuordnung anhand Thema/Publikationsdatum wahrscheinlich, über PubMed direkt nicht verifizierbar – bitte bei Bedarf gegenprüfen).

Hallsworth K, Fattakhova G, Hollingsworth KG, Thoma C, Moore S, Taylor R, et al. Resistance exercise reduces liver fat and its mediators in non-alcoholic fatty liver disease independent of weight loss. Gut, 2011;60(9):1278–1283.

The Impact of Exercise Training Plus Dietary Interventions on Ectopic Fat in Population with Overweight/Obesity: Systematic Review, Meta-analysis and Metaregression of RCTs, 2025.

Combined exercise training and dietary interventions versus independent effect of exercise on ectopic fat: systematic review, meta-analysis and meta-regression, 2025.

Dose-response effects of exercise and caloric restriction on visceral adiposity in overweight and obese adults: systematic review and meta-analysis of RCTs.


Fazit: Was kannst Du selbst tun?

Effiziente Prävention von viszeralem Fett und MASLD im Alltag

Eine ernüchternde Zahl

Die vorangegangenen Abschnitte haben gezeigt: Viszerales Fett und MASLD sind keine unabwendbaren Schicksale, sondern zu einem großen Teil durch den Lebensstil beeinflussbar – und in frühen Stadien sogar reversibel. Umso ernüchternder ist ein Befund des aktuellen DKV-Reports 2025, einer repräsentativen Befragung von über 2.800 Menschen in Deutschland durch die Deutsche Sporthochschule Köln (Prof. Ingo Froböse) und die Universität Würzburg (Dr. Birgit Wallmann-Sperlich) im Auftrag der DKV: Nur 2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leben nach den Kriterien der Studie tatsächlich „rundum gesund” – Frauen mit 3 Prozent etwas häufiger als Männer mit lediglich 1 Prozent.

Aufgeschlüsselt nach einzelnen Lebensstilbereichen wird deutlich, woran es liegt: Immerhin 68 Prozent erreichen ausreichend ausdauerorientierte Bewegung, doch nur 34 Prozent erfüllen die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation für regelmäßiges Krafttraining (mindestens zweimal pro Woche) – kombiniert schaffen beides nur 32 Prozent. Bei der Ernährung erfüllen ebenfalls nur 34 Prozent die Kriterien für eine gesunde Ernährungsweise, beim Stressempfinden nur etwa jede fünfte befragte Person. Gleichzeitig sitzen die Menschen in Deutschland im Schnitt 613 Minuten am Tag – über zehn Stunden, fast zwei Stunden mehr als noch vor zehn Jahren –, und 37 Prozent tragen aufgrund ihres Sitz- und Bewegungsverhaltens ein erhöhtes Sterberisiko.

„Zusammen mit regelmäßiger Bewegung ist das Trainieren unserer Muskeln für ein gesundes Altern lebenslang notwendig. Wir dürfen es nicht länger als freiwillige Ergänzung zum Ausdauertraining betrachten, sondern als präventive Pflichtaufgabe.” — Prof. Ingo Froböse, Deutsche Sporthochschule Köln


Was „gesunder Lebensstil” konkret bedeutet

Die gute Nachricht: Genau diese fünf Bereiche – Ausdauerbewegung, Krafttraining, Sitzverhalten, Ernährung und Stressbewältigung – sind exakt jene Faktoren, die auch in der wissenschaftlichen Literatur zu viszeralem Fett und MASLD als die wirksamsten Hebel identifiziert wurden. Wer hier ansetzt, senkt nicht nur abstrakt sein „Risiko”, sondern wirkt direkt auf die in den vorigen Abschnitten beschriebenen Mechanismen: weniger viszerale Fettneubildung, geringere Lipotoxizität in der Leber, bessere Insulinsensitivität.

Dimension

Was die DKV-Studie zeigt

Konkret im Alltag

Bewegung (Ausdauer)

68 % erreichen den Ausdauer-Benchmark

Laufen, Walken, Radfahren, Treppen statt Aufzug – in Summe ≥ 150 Min./Woche

Bewegung (Kraft)

Nur 34 % erfüllen die WHO-Empfehlung von ≥ 2 Krafteinheiten/Woche

2× pro Woche 20–30 Minuten Ganzkörper-Krafttraining, auch mit Kurzhanteln oder Körpergewicht zu Hause

Kombiniert Ausdauer + Kraft

Nur 32 % erreichen beide Empfehlungen zusammen

Beides fest im Wochenplan verankern statt als „Kür” zu behandeln

Sitzverhalten

Ø 613 Min./Tag Sitzzeit; 37 % mit erhöhtem Sterberisiko durch Sitz-/Bewegungsverhalten; nur 30 % der Vielsitzer:innen kompensieren dies

Alle 30–60 Minuten kurz aufstehen; Telefonate im Stehen/Gehen; Steh-Pausen aktiv einplanen

Ernährung

Nur 34 % erfüllen den Ernährungs-Benchmark

Mediterran, vollwertige Kohlenhydrate, mehr Gemüse/Hülsenfrüchte/Vollkorn, weniger Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel

Stressbewältigung

Nur rund 20 % (jede/r Fünfte) erreichen einen guten Stress-Benchmark

Feste Erholungszeiten, Schlafhygiene, kurze Achtsamkeits- oder Atemübungen im Alltag

Prävention nutzen

Nur 21 % nehmen strukturierte Präventionsangebote wahr

Vorsorgeuntersuchungen und Präventionskurse (z. B. von Krankenkassen bezuschusst) aktiv in Anspruch nehmen


Der Appell: Es ist nicht kompliziert

Die Diskrepanz zwischen den 2 Prozent „rundum Gesunden” und der eigentlich guten Studienlage zu wirksamen Maßnahmen liegt selten an fehlendem Wissen, sondern meist an der Vorstellung, ein „gesunder Lebensstil” erfordere eine radikale, allumfassende Umstellung. Genau das ist er nicht. Weder für die Reduktion von viszeralem Fett noch für die Verbesserung einer MASLD braucht es Perfektion – entscheidend ist Regelmäßigkeit, nicht Intensität oder Vollständigkeit. Ein tägliches zehnminütiges Zufußgehen nach dem Essen, zwei kurze Krafttrainingseinheiten pro Woche, eine bewusst herbeigeführte Stehpause pro Stunde oder der Tausch von Softdrinks gegen Wasser wirken in Studien nachweisbar. Nicht, weil sie einzeln spektakulär wären, sondern weil sie über Wochen und Monate konsequent wiederholt werden.

Für den Einstieg sind kleine, gut in den Alltag integrierbare Schritte deshalb oft nachhaltiger als ambitionierte Rundumprogramme, die nach wenigen Wochen wieder aufgegeben werden:

  • Bewegung im Alltag verankern statt nur im Sportprogramm: Treppen statt Aufzug, kurze Spaziergänge nach den Mahlzeiten, Telefonate im Gehen.

  • Zweimal pro Woche 20–30 Minuten Krafttraining fest im Kalender blocken – so verbindlich wie ein Arzttermin. 

  • Sitzzeiten aktiv unterbrechen: ein Timer oder die Smartwatch als Erinnerung, mindestens einmal pro Stunde aufzustehen.

  • Ernährung schrittweise verschieben statt komplett umstellen: eine zusätzliche Gemüseportion am Tag, Vollkorn statt Weißmehl, seltener zuckerhaltige Getränke.

  • Feste, kurze Erholungsinseln einplanen: fünf Minuten bewusstes Durchatmen, ein regelmäßiger Schlafrhythmus, ein bildschirmfreier Ausklang des Tages.

Wer auch nur zwei oder drei dieser Punkte konsequent umsetzt, bewegt sich bereits deutlich in Richtung der Lebensstilfaktoren, die in den zitierten Studien zu messbaren Verbesserungen von viszeralem Fett, Leberfett und Stoffwechselgesundheit geführt haben. Der Weg von „nichts” zu „ausreichend” ist dabei stets bedeutsamer als der von „gut” zu „perfekt”. Genau darin liegt die eigentliche Botschaft dieser Reihe: Nicht das Erreichen eines idealtypischen, für die wenigsten realistischen Gesundheitsideals entscheidet über das Risiko für viszerales Fett und MASLD, sondern die Summe kleiner, regelmäßig wiederholter Entscheidungen im Alltag.


In der Body & Balance Membership findest du mit dem LiverLover Programm praktische Unter-stützung für einen leberfreundlichen Lebensstil, mit Trainings, Ausdauerempfehlungen und ein-fachen, leitliniengerechten Ernährungstipps unserer Ernährungsberaterinnen.


Membership body & balance

Froböse I, Wallmann-Sperlich B et al. DKV-Report 2025: Wie gesund lebt Deutschland? DKV Deutsche Krankenversicherung AG, Deutsche Sporthochschule Köln und Universität Würzburg, 2025 (Befragung von HEUTE UND MORGEN GmbH, n > 2.800, repräsentativ, Erhebungszeitraum 11.02.–17.03.2025).

Deutsche Sporthochschule Köln. Pressemitteilung: DKV-Report 2025 – Deutschland im Gesundheitscheck, 2025.

World Health Organization. WHO Guidelines on Physical Activity and Sedentary Behaviour, 2020.


 
 
 

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